Aristoteles

Abb. Aristoteles

Geboren: 384 v.Chr. 
Geburtsort: Stagira in Griechenland 
Gestorben: 322 v.Chr

Im Alter von 17 Jahren kam Aristoteles nach Athen und war bis zum Tode Platons 347 v.Chr., also fast 20 Jahre lang, sein Schüler. Es schlossen sich 12 Wanderjahre an, dann kehrte er nach Athen zurück und lehrte an einem Gymnasium. Schließlich gründete er seine eigene Schule, den Peripatos - dort verfasste er die meisten seiner Werke, die ihn zum bedeutendsten und philosophisch tiefgründigsten Universalgelehrten der Antike machten. Sein ehemaliger Schüler Alexander der Große ermöglichte es ihm, sich eine stattliche Bibliothek zuzulegen und Tiere und Pflanzen jeglicher Art zu sammeln, die er in sein Lehrgebäude einbaute.

Die Erkerfigur des Aristoteles drückt seine Autorität aus, die er bis heute in der Wissenschaft hat. Seine rechte Hand zeigt, dass er alle Welt unterweisen kann. Seine linke Hand legt er auf eine Himmelskugel mit Sonne und Mond - die Griechen hielten beide für Planeten, die den wichtigsten Körper im ganzen Kosmos, die Erde, im Zentrum umkreisten. Aristoteles hat zwar als erster erkannt, dass die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel war (aus der Überlegung heraus, dass bei einer Reise nach Süden immer neue Sterne über dem südlichen Horizont auftauchen), aber leider nahm er die damalige Lehrmeinung über das geozentrische Weltsystem in seine Philosophie auf und war damit für ihre jahrtausendlange Zementierung verantwortlich. Auch Luther hing noch dem geozentrischen Weltsystem an und folglich die Lemgoer Lutheraner; die sich somit im Reformationsstreit mit dem Landesherrn Graf Simon VI. durch die Betrachtung der Figur gestärkt sahen.

Abb. geozentrisches Weltbild

Dagegen mahnte Simon VI. zu Recht die Anerkennung des kopernikanischen (heliozentrischen) Weltsystems an, das seit einem halben Jahrhundert bekannt war.

Davon abgesehen hat Aristoteles tatsächlich fast 2000 Jahre alle Welt unterwiesen. Auch im engeren Umkreis gibt es aus der Zeit vor Fertigstellung des Apothekenerkers viele Zeugnisse für das Weiterwirken seines Lehrsystems. Der erste Rektor der Lateinschule in Lemgo Mag. Bernhardus Copius ließ bereits 1561 "Partitiones rhetoricae ex Platone et Aristotele ... " drucken und ergänzte damit seine Lehrveranstaltungen über Aristoteles, und noch heute bewahrt das Lemgoer Gymnasium zwei Bücher von Aristoteles aus dem Jahr 1606 auf. - In der Lippischen Landesbibliothek Detmold befinden sich 44 Bücher mit der Verfasserangabe "Aristoteles", davon stammen 20 aus der Zeit vor 1600. - Aus der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn werden ähnliche Zahlen gemeldet. - Die Bibliothek der Universität Bielefeld kann sogar mit über 400 Exemplaren aufwarten. - Besonders viele ältere Werke sind im Einflussbereich der katholischen Kirche vorhanden, da die aristotelische Philosophie, in der Ausprägung durch Thomas von Aquin, bis in die Gegenwart eine der Grundlagen der offiziellen Lehre der Kirche ist.

Auch heute noch verbreiten sich die Gedanken des Aristoteles unaufhörlich in aller Welt. Es ist kaum zu glauben: Die Anfrage "Aristoteles" (nicht auf die Medizin begrenzt) bei einer Suchmaschine im Internet ergab ca. 80000 Treffer! - Hinter jedem Treffer stecken Informationen für den Surfer, zusammen mehr als er verdauen kann. Hinter jedem Treffer stecken aber auch Menschen, die sich für Aristoteles immer noch interessieren, die die Beiträge verfasst und ins Internet gestellt haben. - Mehr als das: In den letzten 20 Jahren wurden über 1000 wissenschaftliche Kongresse mit dem Thema "Aristoteles" veranstaltet; wenn er das gewusst hätte! - Diejenigen, die sich jetzt entschließen, zumindest einzelne Teilstücke aus dieser Flut herauszufischen, um z.B. besser über seinen interessanten Lebenslauf Bescheid zu wissen als oben nachzulesen, bestätigen seinen Lehrsatz: Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen! - Mehrere seiner Schriften finden sich in englischer Übersetzung unter classics.mit.edu .

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Der Beitrag wurde freundlicherweise von Herrn Professor Günter Laue verfasst. 11/02