23. 11. 2020

Jugendschutzkalender Lippe 2021: "Schmuddelbilder oft Sexuelle Gewalt und Straftat" 30.000 Kalender werden an Schulen in Lemgo und Lippe verteilt.

Der Jugendschutzkalender 2021 rückt das Thema der harten, gewaltdarstellenden und insbesondere sexualisierten Bilder in sozialen Netzwerken in den Vordergrund. Entworfen und herausgegeben wurde der Kalender im Taschenformat von den lippischen Stadtjugendämtern Lemgo, Bad Salzuflen, Detmold, Lage und dem Jugendamt des Kreises Lippe.

Eine Studie aus Österreich aus dem Jahr 2018 (Sexuelle Belästigung und Gewalt im Internet in den Lebenswelten der 11- bis 18-Jährigen) hält im Ergebnis vor, dass 20 % schon Nacktfotos oder Nacktvideos geschickt bekommen haben, die sie nicht sehen wollten. Am häufigsten ist das auf WhatsApp (51%), Instagram (41%), Snapchat (46%), Facebook (35%), bei Dating Apps (21%) und in Chatrooms (23%) geschehen. 

Eine aktuelle Umfrage bestätigt, dass diese Zahlen in den letzten Jahren noch gestiegen sind und auch für Deutschland gelten: Für den neuen Welt-Mädchenbericht „Free to be online - Erfahrungen von Mädchen und jungen Frauen mit digitaler Gewalt“ hat Plan International 14.000 Mädchen und junge Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren in 22 Ländern der Welt zu ihren Erfahrungen in den sozialen Medien befragt und herausgefunden: 58 Prozent der Mädchen haben Bedrohungen, Beleidigungen und Diskriminierungen erlebt. In Deutschland sind es sogar 70 Prozent.

Das bewusste und gewalttätige Überschreiten von Grenzen durch die Übermittlung sexueller Bilder gibt den Absendenden ein Gefühl von Macht und Stärke, weil die negative und widerwertige Wirkung bekannt ist: Die Empfänger können sich der Sichtung des aufgezwängten Bildes nicht verwehren. Der Schutz der Anonymität im Netz spielt Straftätern dabei in die Karten. Der Jugendschutzkalender aus Lippe möchte daher Mut machen, sich Hilfe zu holen und zu wehren und zum Beispiel einmal mit Freunden, Eltern und ggf. im Schulunterricht darüber zu sprechen.

Jede Form der Gewalt ist schädlich, provoziert Ängste und Irritationen und kann sogar traumatisieren. Kinder und Jugendliche sollten damit nicht alleine sein. Straftaten sollten geahndet werden. Genau hier setzt der Kalender an: Neben den Ansprechpartnern vor Ort werden auch Möglichkeiten aufgezeigt, sich anonym Hilfe zu holen.

Über die Verteilung an weiterführenden Schulen im Kreisgebiet sollen auch in diesem Jahr sowohl Kinder und Jugendlichen als auch Erziehungsberechtigten für das Thema sensibilisiert werden.

 

Jugendschutzkalender 2021

Studie: Sexuelle Belästigung und Gewalt im Internet in den Lebenswelten der 11- bis 18-Jährigen (Wien 2018)

  

Weitere Informationen:

Alte Hansestadt Lemgo, Geschäftsbereich Jugend und Schule, Hendric Schwär-Fröhlich: Tel. 05261 213446 oder h.schwaer-froehlich(at)lemgo.de