11. 09. 2019

Verfasser der Pressemitteilung: kultur


Stele für Hanne und Klaus Pohlmann

Gegen Verdrängen und Vergessen: Erinnerung an Hanne und Klaus Pohlmann

Stele (Ausschnitt)

Dr. Reiner Austermann und Bärbel Fischer enthüllen die Stele

Volker und Reinhard Pohlmann bedanken sich bei der Alten Hansestadt Lemgo für das Engagement

"Gegen Verdrängen und Vergessen: Erinnerung an Hanne und Klaus Pohlmann"

lautet die Überschrift auf der Informations-Stele, die seit wenigen Tagen auf dem Bürgersteig vor dem Engelbert-Kaempfer-Gymnasium, Rampendal 63, steht und die am 6. September, in einer kleinen Feierstunde im Beisein von Angehörigen und Weggefährten der Eheleute Pohlmann der Öffentlichkeit übergeben wurde. Die Alte Hansestadt Lemgo möchte damit an Hanne und Klaus Pohlmann und ihr Wirken für die Stadt Lemgo erinnern.
Auf Initiative von Dieter Halle wurde den Eheleuten Pohlmann nun ein dauerhaftes Andenken im Stadtraum geschaffen, das die künftigen Betrachter der Stele inspirieren möge, „sich mit der Geschichte zu beschäftigen und selbst den Kampf gegen das Vergessen aufzunehmen“, so Bürgermeister Dr. Reiner Austermann in seiner Rede.

Hanne Pohlmann (1939–2011) wirkte seit 1970 als Lehrerin für Französisch und Geschichte am Engelbert-Kaempfer-Gymnasium. Schülerfragen im Unterricht zur Zeitgeschichte (Was ereignete sich 1933 bis 1945 in Lemgo?) weckten ihr Interesse an Themen der lokalen und regionalen Geschichte. Nach der Ausstrahlung der Serie „Holocaust“ im Jahre 1979 wurde auch in Lemgo nach den Schicksalen der Juden gefragt. Im Jahre 1985 wandte sie sich an die Holocaust-Überlebende Karla Raveh, geb. Frenkel, die seit 1949 in Israel lebte. Für Karla Raveh war die Nachfrage aus Lemgo der wichtigste Anstoß, ihre Erinnerungen an die Jahre der NS-Verfolgung und an das Schicksal ihrer Familie aufzuschreiben. Als erster Band der Reihe „Forum Lemgo“ wurde das Buch im Jahre 1986 publiziert. „Ohne dieses Engagement hätte unsere spätere Ehrenbürgerin das Kapitel Heimatstadt Lemgo nach all dem erfahrenen Unrecht wohl nicht noch einmal aufgeschlagen.“ so Dr. Austermann. Das war ein großes „Geschenk für die Stadt, für uns und für ganze Generationen von Schülerinnen und Schülern“.
In den folgenden Jahren gab Hanne Pohlmann viele Anregungen für Unterrichtsprojekte zu den Schicksalen verfolgter Juden.

Ihr Mann Klaus Pohlmann (1939–2015),  der seit 1971 Lehrer für die Fächer Deutsch, Geschichte und Sozialkunde am Gymnasium Leopoldinum II in Detmold war, veröffentlichte seit 1988 zahlreiche Arbeiten zur Geschichte der Juden in Lippe vom späten Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Im Jahre 1990 erschien als Gemeinschaftsarbeit der Eheleute das Buch „Kontinuität und Bruch. Nationalsozialismus und die Kleinstadt Lemgo“, die erste Darstellung über die Stadtgeschichte Lemgos in der NS-Zeit. Damit haben sie einen wesentlichen Grundstein zur „vielleicht schmerzhaften aber notwendigen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte gelegt. Diese Auseinandersetzung hat nicht jedem gefallen. Einfach weil unangenehme Wahrheiten über die Stadt, das eigene Umfeld oder auch die eigene Familie ans Licht kamen. (…) Es ging ihnen um die Wahrheit über die NS-Barbarei in unserer Stadt und es ging ihnen um ein würdiges Erinnern an die Opfer.“ so Dr. Austermann.