Ehrenbürger der Alten Hansestadt Lemgo

Jahr

Ehrenbürger

Vorschlag / Wunsch von Begründung /Anlaß
1895 Opens external link in new windowFürst Otto v. Bismarck, ehem. Reichskanzler Bürgermeister Höland, Lemgo, als gemeinsame Aktion aller lipp. Städte 80. Geburtstag
       
1897 Konsul Opens external link in new windowAugust Louis Wolff, Frankfurt a.M. Stadtverordnetenkollegium Stiftung von 200.000 M. für den Bau des Krankenhauses
       
1933 Reichskanzler Opens external link in new windowAdolf Hitler Stadtverordnetenvorsteher und Vorsitzender der NSDAP Fraktion Ludwig Betz „in der dankbaren Freude, daß Sie uns ein neues Deutschland gebracht haben, und dem Vertrauen, daß unter Ihrer Führung der Aufstieg unseres Volkes beginnt“ (Gräfer)
       
1933 Reichspräsident Opens external link in new windowPaul v. Hindenburg (Ehrenbürgerbrief konnte wegen des Todes von H. nicht mehr übereicht werden) Bürgerliche Mitte in der Stadtverordnetenversammlung „Selbstverständlichkeiten bedürfen keiner Begründung. Unser heißer Wunsch ist es, daß es Hindenburg und Adolf Hitler gelinge, Deutschland nach innen und außen wieder frei zu machen“ (a.d. Antrag)
       
1935 SS-Brigadeführer Opens external link in new windowJulius Schaub, Berlin, vom Stab des Führers Gauleiter Dr. Alfred Meyer, Münster „3. Wiederkehr des Jahrestages der Lippischen Landtagswahl, die zum Siege der NSDAP führte,“ am 15. Jan. 1936
1937 Reichsleiter Opens external link in new windowAlfred Rosenberg (erhielt zusammen mit dem Ehrenbürgerbrief das Original einer Hexenprozeßakte) Bürgermeister Wilhelm Gräfe Lippisches Erinnerungstreffen am  15. Jan. 1937
       
1940 Gauleiter und Reichsstatthalter Dr. Opens external link in new windowAlfred Meyer, Münster Gauamtsleiter und Stadtrat Walter Steinecke „in Anbetracht seiner grossen Verdienste um die Alte Hansestadt Lemgo in seiner zehnjährigen Parteidienstarbeit“ (a.d. Antrag)
       
1941 Reichsinnenminister Dr. Opens external link in new windowWilhelm Frick Gauamtsleiter Walter Steinecke im Auftrag von Gauleiter Meyer nicht angegeben
       
1963 Opens external link in new windowHeinrich Drake, Landespräsident a.D.    
       
1985 Opens external link in new windowWalther Schmidt, Kantor    
       
1988 Opens external link in new windowKarla Raveh, geb. Frenkel    

 

1935 wurde dem langjährigen Lemgoer Stadtverordneten Heinrich Kuhlmann die (in der damaligen neuen Gemeindeordnung geschaffene) Ehrenbezeichnung „Stadtältester“ verliehen.

Am 2. Juni 1945 erging von Landespräsident Heinrich Drake namens der Landesregierung Lippe die Anweisung, „das an führende Mitglieder der NSDAP verliehene Ehrenbürgerrecht abzuerkennen“. Gleichzeitig wurde festgestellt: „Das Ehrenbürgerrecht ist ein reines Persönlichkeitsrecht und erlischt mit dem Tode des Trägers ohne weiteres. Eine förmliche Aberkennung ist in diesen Fällen nicht mehr möglich.“ Letzteres traf für Hitler und Gauleiter Meyer zu. Am 26. Febr. 1946 verfügte Bürgermeister Clemens Becker, den (noch lebenden) Ehrenbürgern Rosenberg und Schaub das Ehrenbürgerrecht abzuerkennen. Dies hätte auch im Fall Frick geschehen müssen, der damals ebenfalls noch lebte. Allerdings erlosch auch sein Ehrenbürgerrecht mit seiner Hinrichtung am 16. Okt. 1946. 

In der Sitzung des Rates der Alten Hansestadt Lemgo vom 11.11.1985  erging auf den Bürgerantrag Wulfmeyer zu Ehrenbürgerrechten aus der NS-Zeit folgender einstimmiger Beschluß:

Mit der Erklärung des Rates der Alten Hansestadt Lemgo vom 08. Mai 1985 anläßlich der 40. Wiederkehr des Tages der Kapitulation hat der Rat der Opfer der Willkürherrschaft, des Rassenwahns und Völkermordes und jener von Krieg und Vertreibung gedacht. Gleichzeitig hat sich der Rat in dieser Resolution verpflichtet, alles in seiner Verantwortung mögliche zu tun, um u.a. Intoleranz und Diskriminierung des Andersdenkenden zu unterbinden und die Wiederkehr faschistischer oder anderer totalitärer Gewalt bereits im Ansatz zu verhindern. Unter Bezugnahme auf die Erklärung vom 08.05.85 stellt der Rat fest, daß die an Adolf Hitler, den Reichsleiter Alfred Rosenberg und SS-Brigadeführer Julius Schaub verliehenen Ehrenbürgerrechte entzogen worden sind.

Gisela Wilbertz, 2001

Quellen

Stadtarchiv Lemgo: A 6188, A 421 (S. 63), B 2243, B 2247, B 2246, B 2245, B 2242, B 2244, B 5266, D 119 (S. 258), Akte 47.20.01 (1979 u. 1985), C 1020, Zeitungen u. Zeitungsausschnittsammlung