Dioscorides, Pedanius

Abb. Dioscorides

LAVS MEDICO HERBARUM SPECIES USUS [QU] PROBATOS NOSSE SED HIC DANDA EST PALMA DIOSCORIDI
("Lob dem Arzt, der die Arten der Kräuter und ihren erprobten Nutzen kennt, aber hier ist der Siegespreis Dioskurides zu geben.")

Geboren: ca. 40 n.Chr. 
Geburtsort: Kilikien / Türkei
Gestorben: ca. 90 n.Chr.

Während der Regierungszeit des Kaisers Nero war der Grieche Dioscorides ein angesehener Arzt im Tross des römischen Heeres und unternahm zahlreiche Reisen, auf denen er sein umfassendes Wissen erwarb. Sein Schwerpunkt war die Pharmakologie; in seinen fünf Büchern "De Materia Medica" trug er die gesamten pharmazeutischen Kenntnisse seiner Zeit zusammen. Darin sind ausgezeichnete Beschreibungen mit kolorierten Zeichnungen von nahezu 600 Pflanzen enthalten, außerdem werden 1000 Drogen behandelt. Erstaunlich viele Exemplare befinden sich noch in Spanien - dort hatten sich die Araber um die Dioscorides-Werke besonders verdient gemacht. 1500 Jahre waren diese Bücher Standard für die Ausbildung von Pharmazeuten; sie wurden aus dem Griechischen in mindestens 7 andere Sprachen übersetzt. - eine vollständige Druckausgabe erschien z.B. noch 1934 in Englisch.

Erstaunlich umfangreich sind die Treffer, die durch die bekanntesten Internet-Suchmaschinen nach Eingabe der Suchanfrage "Dioscorides" erzielt werden: ca. 10000 aus aller Welt! Diese gewaltige Zahl ist ein Anzeichen für den nie enden wollenden Widerklang seiner Leistungen.

Urkunde
Heilpflanze

Die Treffer sind zwar zunächst nur Hinweise auf Web-Angebote, die aber bei Interesse weiter verfolgt werden können. Falls beispielsweise die obigen Lebensdaten nicht ausreichend sind: es werden mehrere ausführliche Lebensläufe angeboten, die oft von Universitäten ins Netz gesetzt wurden. - Unter anderem erfährt man im Web, dass etwa zur gleichen Zeit, zu der Dioscorides in Lemgo geehrt wurde, die Päpste dessen Bücher in der Vatikan-Bibliothek wie Schätze hüteten. - An anderer Stelle findet man Zeichnungen von blühenden Pflanzen von der Art, wie sie der Künstler der Erkerfigur in die Hand gegeben hat. - Man sieht verwundert, in wie vielen Bibliotheken noch die ursprünglichen Bücher stehen, oder im Antiquariat hoch geschätzt werden.

Das Deutsche Museum in München besitzt einen Faksimiledruck einer ungemein prächtig illustrierten, auf pflanzliche Pharmaka beschränkten Ausgabe aus dem Jahr 512; sie wurde dort gemäß einem Jahrzehnte alten Brauch zum "Buch des Monats April 2000"gewählt und ausgestellt. - Welcher Philatelist weiß schon, dass Dioscorides 1963 auf einer algerischen Briefmarke geehrt wurde? - Wer hat zum ersten Mal auf den Einfluss von Kupfersulfat und Bleiacetat, von Quecksilber und Arsen, von Opium und Haschisch auf die Gesundheit hingewiesen und vor Nebenwirkungen gewarnt? - Man wird sogar auf ein Dioscorides-Journal in den USA aufmerksam gemacht, in dem Liebhaber und Züchter von Heilpflanzen sich austauschen können, usw.

Wer sich eingehender informieren will, kann sich an den hervorragenden Dioscorides-Kenner Albert Dietrich wenden, der 1988 in den Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen das umfangreiche Werk "Dioscurides Triumphans" über dessen "Materia medica" mit arabischem Text, deutscher Übersetzung und ausführlichem Kommentar veröffentlicht hat (in der Bibliothek der Universität Bielefeld vorhanden).

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Der Beitrag wurde freundlicherweise von Herrn Professor Günter Laue verfasst. 11/02