Lullius (Hispanus), Raimundus

Abb. Lullius (Hispanus), Raimundus

CUM IGNE TANDEM IN GRATIAM REDIT AQUA 
("Mit dem Feuer söhnt sich schließlich auch das Wasser aus")

Geboren: 1232...35 
Geburtsort: Palma de Mallorca, Spanien 
Gestorben: ca. 1316 

Raimundus Lullius (auch: Ramon Llull) war das einzige Kind eines reichen, aus Frankreich stammenden Kaufmanns aus Barcelona und wurde am Hof des Königs Jakob I. von Aragon aufgezogen. Nach einem ausgelassenen und unsteten weltlichen Leben widmete er sich nach einem Bekehrungserlebnis der Philosophie und der christlichen, besonders aber auch der arabischen und muslimischen Theologie zu. Als "doctor illuminatus" verfasste er gewichtige Werke, hielt Vorlesungen in Frankreich (und hat in Paris möglicherweise Meister Eckhart kennen gelernt), gründete ein Franziskanerkloster bevorzugt für das Arabischstudium (und wurde ein früher Förderer der Orientalistik).

Abb, Lullius und Königin v. Frankreich

Er reiste viel: nach Zypern, Sizilien, Italien, Frankreich und Nordafrika. Sein Hauptanliegen war der interkulturelle Dialog; er war christlichen, neuplatonischen, jüdischen und muslimischen Traditionen gegenüber äußerst aufgeschlossen. In Zusammenhang damit entwickelte er eine universelle Logik, die allen denkenden Menschen über die Grenzen der Religionen hinweg ermöglichen sollte, durch Kombination von Grundaussagen zu einer gemeinsamen Basis für Religionsgesprüche und zur Gotteserkenntnis zu gelangen. Zur Erleichterung dieser Kombinatorik erfand Lullius mechanische Vorrichtungen, die als Vorstufe von "logischen Maschinen" bzw. Computern angesehen werden können. König Heinrich III. von Frankreich (1574-1589) ließ  sich diese "Lullische Kunst" von Giordano Bruno erklären und noch Leibniz interessierte sich dafür. - In der Bibliothek von Isaac Newton standen 8 Bücher von Lullius. - Ernst Bloch setzte sich im "Prinzip Hoffnung" und in seinen anderen Arbeiten ausführlich damit auseinander: "Heute ist aus dem arithmetisierten Lullus-Traum eine ganze Denkindustrie geworden ... ".

Lullius hat ca. 250 Schriften verfasst; spätere Autoren haben seine Theorien oft missverstanden und ihn zu Unrecht mit Alchemie in Verbindung gebracht - vielleicht ein Grund für seine Aufstellung am Apothekenerker. Die meisten seiner Werke blieben in Spanien, aber viele befinden sich auch in Deutschland, z.B. ca. 10 Expl. in Wolfenbüttel und ca. 5 in der Stiftsbibliothek Xanten, wo sie aus säkularisierten Klöstern zusammengeführt wurden. - Seine Schriften werden in 35 geplanten Bänden durch Prof. Fr. Stegmüller von der Universität Freiburg i.Br. ab 1959 herausgegeben und kritisch kommentiert; dort gibt es ein eigenes Lullius-Institut. - Empfehlenswert ist eine aus dem Lateinischen übersetzte kleinere Schrift unter dem Titel "Ramon Lull: Das Buch vom Heiden und den drei Weisen", herausgegeben von Theodor Pindl (im Verlag Philipp Reclam jun., Universal-Bibliothek Nr. 9693, Stuttgart 1998). Lullius begründet hier meisterlich die Notwendigkeit des interkulturellen Dialogs. - Lippische Urlauber auf Mallorca werden gebeten, in der Hauptstadt Palma eine Gedenkminute vor dem Denkmal des Lullius einzuplanen; einige werden auch die Gelegenheit haben, im Hof der alten medizinischen Fakultät von Madrid sein Medaillon zu bewundern - die entsprechende Aufforderung kann man dem Aufsatz von Dr. J. M. Sevilla: "Das medizinische Lehramt des Ramon Llull" entnehmen, veröffentlicht in den Lemgoer Heften Nr.30/1985. Der Standort des Denkmals, seines Grabes und des von ihm gegründeten Franziskanerklosters wird in den meisten Reiseführern angegeben. Der in der Stadtbücherei Lemgo unter CEM 108 HEAL vorhandene Führer von W.M.Healy: Mallorca, München 1970, bietet darüber hinaus eine kurze lesenswerte Lebensgeschichte mit Schilderung von Lullius Bekehrungserlebnis. - Als Ergebnis einer Internetrecherche ist u.a. der eingehende Beitrag aus dem Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon über Lullius www.bautz.de/bbkl/l/lullus_r.shtml  zu erwähnen.

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Der Beitrag wurde freundlicherweise von Herrn Professor Günter Laue verfasst. 11/02