Informationen Neue Torstraße 37

Boden- und Grundwasserverunreinigung auf dem Grundstück "Neue Torstraße 37" und "Alter Wallkanal" in Lemgo

- Information der Grundstückseigentümer über den derzeitigen Planungs- und Abwicklungsstand

Bei einer weiteren Informationsveranstaltung am 03.07.2019 wurden die betroffenen Grundstückseigentümer über den aktuellen Planungs- und Abwicklungsstand sowie über die näher rückende Bauabwicklung zur Sanierung der Boden- und Grundwasserbelastung informiert.

Herr Dr. Austermann begrüßte die anwesenden Anlieger. Dabei ging Herr Dr. Austermann noch einmal kurz auf die Historie und die Entwicklung des Projektes ein. In dem Zusammenhang wies Herr Dr. Austermann auch darauf hin, dass der Rat der Alten Hansestadt Lemgo im Rahmen der Ratssitzung am 08.07.2019 ausführlich über dieses Projekt und die damit verbundenen Auswirkungen informiert wird.

Von den Vertretern des Verbandes für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) wurden die Aufgaben und die Organisation des Verbandes kurz vorgestellt und anhand einer Übersichtskarte die in Bearbeitung befindlichen und auch bereits abgeschlossenen Projekte aufgezeigt. Der AAV hat als Körperschaft des öffentlichen Rechts in NRW zahlreiche vergleichbare Maßnahmen durchgeführt und verfügt - wie kein anderer - über die entsprechenden Erfahrungen und Kompetenzen bei Projekten zur Sanierung von Boden- und Grundwasserverunreinigung. Abschließend erläutert Herr Dr. Müller die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten und die vertragsrechtliche Situation bei der Beauftragung und Abwicklung der Bauarbeiten. Auftraggeber sowohl der Planungsleistungen als auch der zukünftigen Bauleistungen zur Sanierung der Boden – und Grundwasserverunreinigungen ist der AAV.

Im Anschluss an die Ausführungen von Herrn Dr. Müller stellten die Vertreter von ARCADIS die bisher vorliegenden Ergebnisse der Sanierungsuntersuchung und –Planung vor. Herr Christ berichtete, dass die ergänzenden Untersuchungen die bisher vorliegenden Ergebnisse im Wesentlichen bestätigt hätten. Durch die weiteren Untersuchungsergebnisse ist aber festgestellt worden, dass die Bodenbelastung bis in eine Tiefe von ca. 14 m reicht und von einer Schadstofffahne im Grundwasser auszugehen ist, die sich in südwestlicher Richtung ausbreitet.

Im weiteren Vortrag wurden die Sanierungsziele angesprochen und dargestellt. Die unterschiedlichen Sanierungszielsetzungen sind:

- Quellsanierung

- signifikante Reduzierung des Schadstoffinventars

- Abströmen von Schadstoffen unterbinden.

Über die Sanierungsziele definieren sich 3 Sanierungszonen:

Zone 1: Betriebsgelände und westlich unmittelbar angrenzende Hausgrundstücke, Neue  Grabenstraße 10 und 12

Zone 2: Alter Wallkanal, Neue Grabenstraße 14 bis Neue Grabenstraße 32

Zone 3: Ausbreitungsbereich der Schadstofffahne in südwestlicher Richtung

In der Sanierungszone 1, dem ehemaligen Betriebsgelände und den westlich unmittelbar angrenzenden zwei Hausgrundstücken und damit dem Bereich, der am stärksten belastet ist, wird der Boden mit Großlochbohrungen bis in eine Tiefe von 5m abgetragen. Die Bohrungen haben einen Durchmesser von 1,5 m. Nach dem Ausbohren des Bodens werden die Bohrlöcher mit sauberem Boden, Flüssigboden oder unter Umständen auch mit Beton verfüllt. Dadurch, dass die Bohrpfähle nach und nach und auch versetzt sowie überschnitten gebohrt werden, wird der gesamte belastete Boden ausgetragen und kann entsorgt werden. Insgesamt sind rd. 180 Stück überschnittene Bohrungen vorgesehen.

Für die Abwicklung der Baumaßnahme, zur Zwischenlagerung des belasteten Bodens und des zum Einbau kommenden Bodens und die Wasseraufbereitung sowie die Sozialräume für die Mitarbeiter wird eine Baustelleneinrichtung erforderlich. Diese ist auf den Wallanlagen vorgesehen. Zum Schutz des Bodendenkmals und des Untergrundes wird die Fläche entsprechend hergestellt und mit bituminösem Material versiegelt.

Für die Zeit der Baudurchführung der Großlochbohrungen, wird im Abschnitt von der Leopoldstraße bis zu den nach Norden bzw. Süden abzweigenden Wegen zur „Puckewese“ bzw. „Neuen Grabenstraße“ der Wall nicht begeh- und befahrbar sein.

Um an das ehemalige Betriebsgrundstück und die zwei Hausgrundstücke heranzukommen und auch um die Baustelleneinrichtung herstellen zu können, werden verschiedene Bäume gefällt werden müssen. Der genaue Umfang der Rodungen wie auch die genaue Größe der Baustelleneinrichtung wird sich im Verlauf der weiteren Bearbeitung der Sanierungsplanung letztendlich ergeben.

Die Beseitigung der leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffe in den tieferliegenden Bodenschichten soll mit einem innovativen Sanierungsverfahren und zwar mit dem sogenannten ISCO-Verfahren (IN SITU Chemische Oxidation) erfolgen. Hierzu wird Kaliumpermanganat in den Boden bzw. in das Grundwasser injiziert. Durch eine chemische Oxidation werden der Boden und das Grundwasser dekontaminiert. Mittels erstellter Überwachungspegel wird der chemische Prozess genauestens überwacht und in Abhängigkeit davon das Kaliumpermanganat in den Boden injiziert.

Den weitaus größten und schwierigsten Eingriff in der Sanierungszone 1 stellen die Großlochbohrungen dar. Mit den Vorarbeiten (Baustelleneinrichtung, Baufeldräumung, Herstellung der bituminösen Fläche für die Baustelleneinrichtung), dem Abbruch der Gebäude auf dem ehemaligen Betriebsgrundstück und dem Bodenaustausch mit den Großlochbohrungen ist mit einer Bauzeit von insgesamt 9 Monaten zu rechnen. Allein der Bodenaustausch mit den Großlochbohrungen wird dabei ca. 6 Monate dauern. Für die ISCO-Sanierung wird ein Zeitraum von 3 Jahren geschätzt. Dabei wird die Herstellung der Injektions-Bohrungen und der Überwachungspegel nur ein paar Wochen dauern und kaum zu Beeinträchtigungen auf den Wall-Anlagen führen. Die chemische Oxidation erfolgt unterirdisch. Im Gelände ist dies nicht wahrnehmbar. Zeitweise Einschränkungen auf den Wallanlagen können sich unter Umständen noch bei der Nachfüllung der Vorlagebehälter mit Kaliumpermanganat ergeben.

In der Sanierungszone 2 – Alter Wallkanal – wird zur Sanierung ebenfalls ein innovatives und minimalinvasives Verfahren eingesetzt, um die Eingriffe in die Anliegergrundstücke zu minimieren und insbesondere bei den inhomogenen Bodenverhältnissen Schäden an den Gebäuden soweit als möglich auszuschließen. Zur Stimulierung des mikrobiellen Schadstoffabbaus wird eine Speiseölemulsion in den belasteten Boden injiziert. Derartige Verfahren haben sich mittlerweile bewährt. Im Laborversuch konnte mit Boden aus einem Bohrkern aus dem Bereich des Wallgrabens ein Abbau nachgewiesen werden. Um Sicherzugehen, dass mit dem Verfahren bzw. der Speiseölemulsion ein Abbau auch in der Örtlichkeit erfolgt, muss aber noch ein Pilotversuch Vor- Ort durchgeführt werden.

Für die Sanierungszone 3, also den Ausbreitungsbereich der Schadstoffe im Grundwasser in süd-westlicher Richtung, ist eine hydraulische Abstromsicherung mit Grundwassermanagement (Pump & Treat) vorgesehen. Hierzu wird das belastete Grundwasser unterhalb der Neuen Grabenstraße abgepumpt und einer Behandlungsanlage zugeführt, in der das belastete Wasser mittels Aktivkohlefilter gereinigt wird. Das gereinigte Grundwasser wird zum Ausgleich des Grundwasserhaushaltes am Fuß des Slavertorwalls wieder reinfiltriert.

Die weitere Abwicklung des Sanierungskonzeptes ist in folgenden Schritten vorgesehen:

Sanierungszone 1

  • Bearbeitung der Ausführungsplanung für die Großlochbohrung und die ISCO-Sanierung
  • Anzeige der Abbrucharbeiten und Durchführung der Abbrucharbeiten
  • Durchführung des Ausschreibungs- und Vergabeverfahrens
  • Vorbereitende Baumaßnahmen (z.B. Baumfällungen)
  • Baustelleneinrichtung
  • Beginn der Sanierungsarbeiten

Zielrichtung ist dabei die vorauslaufenden Planungs- und administrativen Arbeiten soweit zu forcieren, dass im Frühjahr 2020 mit den Bauarbeiten vor Ort begonnen werden kann und diese voraussichtlich zum Ende 2020 abgeschlossen sind.

Sanierungszonen 2 und 3

Für die Sanierungszonen 2 und 3 muss die Sanierungsplanung noch abschließend bearbeitet werden. Hierzu sind noch weitere Untersuchungen, die Durchführung eines Pilotversuches sowie die Erstellung eines Grundwassermodells für die hydraulische Abstromsicherung erforderlich. Die Umsetzung der Maßnahmen ist im Anschluss an die Ausführung der Bauarbeiten in der Sanierungszone 1 angedacht. Eine weitere Konkretisierung hierzu wird erst im Verlauf der weiteren Bearbeitung der Sanierungsplanung erfolgen können.

Von den Vertretern der Stadt Lemgo wurde angekündigt, eine weitere Informationsveranstaltung nach dem Ausschreibungs- und Vergabeverfahren und vor Beginn der Bauarbeiten durchzuführen. Da durch die Maßnahme auch viele Nutzer der Wallanlagen betroffen sind, ist es u.U. angezeigt, eine öffentliche Informationsveranstaltung durchzuführen. Straßen und Entwässerung Lemgo wird hierzu zu gegebener Zeit einladen.

Aufgestellt:

Lemgo, den 18.07.2019 Straßen und Entwässerung Lemgo

 

Anlage

Präsentation des Büros ARCADIS

Präsentation des AAV

Pressemitteilung des AAV

Pressebericht Lippe-Aktuell

 

 

Boden- und Grundwasserverunreinigung auf dem Grundstück "Neue Torstraße 37" und "Alter Wallkanal" in Lemgo

- Information der Grundstückseigentümer zum derzeitigen Planungs-und Abwicklungsstand -

Nachdem bei einer Informationsveranstaltung im Februar 2016 die Ergebnisse zur Eingrenzung der Bodenbelastung und der von dem ehemaligen Betriebsgrundstück und der Trasse des Alten Wallkanals ausgehenden Grundwasserbelastung vorgestellt sowie mögliche Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen aufgezeigt worden sind, wurden die Grundstückseigentümer in einer weiteren Informationsveranstaltung am 28.02.2018, im großen Sitzungssaal des Rathauses, über den derzeitigen Planungs- und Abwicklungsstand sowie über die im Zuge der anstehenden Sanierungsplanung vorgesehenen Untersuchungen informiert. Der weitere Projektverlauf wurde vorgestellt.

Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister der Stadt Lemgo, Herrn Dr. Austermann, wurden von den Vertretern des Verbandes für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) die Aufgaben sowie die Organisation des Verbandes vorgestellt und beispielhaft über abgeschlossene und aktuelle Projekte berichtet. Der AAV hat als Körperschaft des öffentlichen Rechts in NRW zahlreiche vergleichbare Maßnahmen durchgeführt und verfügt – wie kein anderer – über die entsprechenden Erfahrungen und Kompetenzen bei Projekten zur Sanierung von Boden- und Grundwasserverunreinigungen. Die Vertreter des AAV berichteten weiterhin über ein Gutachten, das der AAV vor dem Hintergrund der schwierigen Bodenverhältnisse, der beengten Platzverhältnisse und der sehr nah angrenzenden Bebauung und nicht zuletzt auch des Alters der angrenzenden Gebäude zur Untersuchung und Bewertung der Bausubstanz und des Baugrundes in Auftrag gegeben hat. Dieses Gutachten liegt seit September 2017 vor. Für den Bereich des „Alten Wallkanals“ wird empfohlen, zur Vermeidung von Bauschäden an den Gebäuden von einer Beseitigung des belasteten Bodens durch Auskofferung oder mittels Großbohrtechnik abzusehen. Diese Verfahren kommen wahrscheinlich nur auf dem eigentlichen Grundstück der ehemaligen chemischen Reinigung zur Anwendung. Stattdessen wird eine Grundwassersanierung mittels Pump & Treat zurzeit intensiv geprüft.

Für die Bearbeitung der Sanierungsplanung und die Ingenieurleistung zur Bauabwicklung hat der AAV Ende des letzten Jahres ein formales Angebotsverfahren durchgeführt. Grundlage des Angebotsverfahrens bildeten u.a. auch die bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse und das Gutachten zur Untersuchung und Bewertung der Bausubstanz und des Baugrundes. Im Rahmen des Angebotsverfahrens ist das Büro ARCADIS, ein weltweit agierendes Ingenieurbüro, mit den Geschäftsbereichen Infrastruktur, Wasser, Umwelt und Gebäuden, ausgewählt worden. Das Projekt „Chemische Reinigung Neue Torstraße 37“ wird dabei von der ARCADIS Germany GmbH mit Sitz in Köln bearbeitet. Neben einer kurzen Vorstellung des Unternehmens stellten Mitarbeiter von ARCADIS das interdisziplinär aufgestellte Mitarbeiterteam für das Projekt sowie die geplante Herangehensweise bei der Sanierungsplanung vor. Im Rahmen der Bearbeitung der Sanierungsplanung erfolgt eine Konkretisierung des zur Ausführung kommenden Sanierungsverfahrens, die Festlegung des Sanierungsbereiches und des Baufelds sowie erforderlicher Sicherungsmaßnahmen. Damit wird die Grundlage für das Ausschreibungs- und Vergabeverfahren für die spätere Bauausführung geschaffen. Den Aussagen und Empfehlungen des Gutachtens zur Bewertung der Bausubstanz und des Baugrundes folgend, wird für den Bereich des „Inneren Wallgrabens“ von ARCADIS tendenziell ebenfalls eine Grundwassersicherung und Sanierung mittels Pump & Treat favorisiert. Allerdings hält ARCADIS hierfür weitere Untersuchungen des Untergrundes und die Durchführung von Laborversuchen zum Schadstoffabbau für erforderlich. Hierfür wird ARCADIS auf den betroffenen Grundstücken noch einmal Bodenaufschlussbohrungen bzw. Sondierungen durchführen. Weiterhin wird der AAV eine Beweissicherung der Gebäude durch einen Gutachter durchführen lassen um den Bauzustand der Gebäude vor Ausführung der Bauarbeiten zu dokumentieren. In Bezug auf die Sanierung des Betriebsgrundstückes der Chemischen Reinigung sieht ARCADIS keine Alternative zum Abriss des betreffenden hinterliegenden Gebäudeteils und der Auskofferung des belasteten Bodens. Allerdings wollten die Vertreter von ARCADIS sich nicht zu dem Bauverfahren abschließend festlegen und hielten es nicht für ausgeschlossen, dass eine Bodenauskofferung im Schutz eines Verbaus, anstelle der bisher angedachten Großbohrtechnik zur Ausführung kommen kann.

Im Anschluss an die Präsentationen und Berichte wurden zahlreiche Fragen der Grundstückseigentümer von den Vortragenden und den Vertretern des Kreises Lippe und der Stadt Lemgo beantwortet. Nach den Fragen und den Meinungsäußerungen waren die anwesenden Grundstückseigentümer insgesamt zufrieden darüber, dass sowohl der AAV als auch ARCADIS nach den Vorträgen bemüht sind, die Eingriffe in die privaten Grundstücke entlang des „Alten Wallkanals“ so gering wie möglich zu halten und durch weitere Boden- und Laborversuche das Pump & Treat unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit als Maßnahme der Sanierung einzusetzen. Den Anwesenden war dabei sehr bewusst, dass sich damit die Sanierungsdauer erheblich verlängert. Auch auf Nachfrage erklärten sowohl der AAV als auch ARCADIS, dass eine Aussage zur Dauer seriös nicht getroffen werden könne. In diesem Zusammenhang wurde von ARCADIS auf die Möglichkeit sogenannter InSitu-Verfahren hingewiesen, die durch Zugabe von Nährlösungen den Abbau der Boden- und Grundwasserbelastung beschleunigen oder zumindest positiv beeinflussen können. 

Von den Vertretern der Stadt Lemgo wurde in diesem Zusammenhang angemerkt, dass bei diesem Projekt aufgrund der Komplexität und auch der besonderen Umstände und Verhältnisse in besonderer Weise „Genauigkeit vor Schnelligkeit“ gelten müsse und es insoweit angezeigt sei, weitere Untersuchungen anzustellen und darauf aufbauend eine praktikable und verhältnismäßige Lösung zu konzipieren. 

Den Grundstückseigentümern wurde zugesichert, sie weiterhin in den weiteren Planungsprozess einzubinden und zu gegebener Zeit im Rahmen einer weitern Informationsveranstaltung zu informieren. Als Zeithorizont wurde ein Zeitraum von 12 - 15 Monaten für die Bearbeitung der Sanierungsplanung in den Raum gestellt.

Aufgestellt: Lemgo, den 07.03.2018 Straßen und Entwässerung Lemgo 

Arcadis-Präsentation_Lemgo (pdf-Datei 663 KB)
AAV_Präsentation_Lemgo (pdf-Datei 2 MB)
20180317_LZx_Reinigung_Neue_Torstraße_37 (2 MB)

Information über die Ergebnisse der orientierenden Untersuchung entlang des "Alten Wallkanals"

Im Rahmen einer im Auftrag des Kreises Lippe durchgeführten Gefährdungsabschätzung und Sanierungsuntersuchung der ehemaligen Chemischen Reinigung Neue Torstraße 37 in Lemgo wurden erhebliche Bodenbelastungen mit dem als Reinigungsmittel eingesetzten Tetrachlorethen und seinen Abbauprodukten festgestellt. Während des Betriebes der chemischen Reinigung ist es offensichtlich zu einer unsachgemäßen und/oder unzulässigen Ableitung von Flüssigkeiten oder Schlämmen, die chemische Reinigungsmittel enthielten, in die Kanalisation gekommen. Die durchgeführten Untersuchungen hatten gezeigt, dass sich die Bodenbelastungen vermutlich nicht nur auf das Grundstück Neue Torstraße 37 beschränken, sondern sich auch entlang des ehemaligen „Alten Wallkanals“ nach Westen erstrecken können. Über diese, hatte Straßen und Entwässerung Lemgo (SEL) als Eigenbetriebs-ähnliche Einrichtung der Stadt Lemgo die Eigentümer und Bewohner in dem betreffenden Quartier mit Informationsschreiben vom 11.04.2013 und Informationsveranstaltung am 25.04.2013 im Marianne–Weber–Gymnasium erstmals informiert.

Nachdem die Bezirksregierung Detmold für die weitere räumliche Eingrenzung der von der chemischen Reinigung ausgehenden Bodenbelastungen entsprechende Fördermittel bereitgestellt hatte, ist im Auftrag des Kreises Lippe und der Stadt Lemgo durch die Dr. Kerth + Lampe Geo-Infometric GmbH aus Detmold eine orientierende Untersuchung entlang der Kanaltrasse des "Alten Wallkanals" zwischen dem Standort der ehemaligen chemischen Reinigung und dem Entruper Weg durchgeführt worden. Dabei ist in 5 Untersuchungskampagnen im Zeitraum vom 11. Juni 2013 bis 09.September 2013 die gesamte Strecke systematisch  beprobt und das Untersuchungsraster entsprechend den Ergebnissen der Voruntersuchungen immer weiter verdichtet worden. Die Entnahme der Bodenproben und deren Untersuchung hat sich dabei zunächst im wesentlichen auf die Parzelle des "Alten Wallkanals" und unmittelbar angrenzender Flächen beschränkt.

Nach den nunmehr vorliegenden Untersuchungsergebnissen liegen, ausgehend vom Grundstück Neue Torstraße 37, auf einer zusammenhängenden Länge von ca. 120 m relevante Bodenbelastungen entlang der Kanaltrasse vor. Deutliche Belastungen des Bodens mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW) wurden  in Tiefen von 2,50 - 3,50 m und damit unterhalb der Kanalsohle des "Alten Wallkanals" festgestellt. In noch größeren Tiefen gehen dann die LCKW-Bodenbelastungen deutlich zurück. Zu den Bodenbelastungen der nach Norden und Süden an die Trasse des "Alten Wallkanals" angrenzenden Flächen können aufgrund der bisher vorgenommenen Untersuchungen noch keine abschließenden Aussagen getroffen werden. Hierfür sind weitere Untersuchungen bereits beauftragt.

Für den sich nach Westen anschließenden Abschnitt des "Inneren Wallgrabens" mit dem darin verlaufenden "Alten Wallkanal" sind keine relevanten Bodenbelastungen festgestellt worden. Von daher sind in den betreffenden Bereichen keine weiteren Untersuchungen vorgesehen und auch Sanierungsmaßnahmen sind hier nicht erforderlich. 

In dem Abschnitt mit relevanten Befunden im Boden  ist zeitnah ergänzend in allen Häusern eine Raumluftuntersuchungen durchgeführt worden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen liegen zwischenzeitlich ebenfalls vor und zeigen, dass eine Gesundheitsgefährdung der Bewohner dieser Häuser sicher ausgeschlossen werden kann.

Die im Rahmen der Orientierenden Untersuchung entlang des „Alten Wallkanals“ gewonnenen Ergebnisse sind den Grundstückseigentümern und Bewohnern des betreffenden Quartiers mit einem weiteren Informationsschreiben vom 18.11.2013 zur Kenntnis gegeben worden. Dem Ausschuss für Umwelt-, Klima- und Hochwasserschutz werden die Untersuchungsergebnisse in der Sitzung am 19.11.2013 ebenfalls vorgestellt.

Um die Grundstückseigentümer und Bewohner der durch relevante Bodenbelastungen im Bereich des "Alten Wallkanals" betroffenen Grundstücke (östliche Neue Grabenstraße) im Detail zu informieren, wird die SEL diesen Personenkreis in Kürze zusätzlich zu einem Informationsgespräch ins Rathaus einladen. Im Rahmen dieses Gespräches sollen die Ergebnisse der Raumluftuntersuchungen und die Ergebnisse der Orientierenden Untersuchung entlang der Kanaltrasse des „Alten Wallkanals“ detailliert vorgestellt sowie der weitere Untersuchungsumfang zur Definition entsprechender Sanierungsziele, zur Erstellung der Sanierungsplanung und nicht zuletzt auch der Klärung von Rechts- und Haftungsfragen erörtert werden.

Zielsetzung der Stadt Lemgo und des Kreises Lippe ist es, im Jahre 2014 die Sanierungsuntersuchung für die Trasse des "Alten Wallkanals" abzuschließen sowie eine kombinierte Sanierungsplanung  für das Grundstück Neue Torstraße 37 und den belasteten Teil der Trasse des „Alten Wallkanals“ aufstellen zu lassen und damit die Voraussetzungen für eine Bereitstellung der Finanz- und Fördermittel für eine Sanierung in den darauf folgenden Jahren zu schaffen. 

Luftbild

Boden- und Grundwasserverunreinigungen durch die ehemalige Chemische-Reinigung auf dem Grundstück Neue Torstraße 37 in Lemgo

Grundstück Neue Torstraße 37
Grundstück Neue Torstraße 37
Grundstück Neue Torstraße 37

Im Rahmen einer im Auftrag des Kreises Lippe durchgeführten Gefährdungsabschätzung der ehemaligen Chemischen-Reinigung Neue Torstraße 37 in Lemgo wurden erhebliche Bodenbelastungen mit dem als Reinigungsmittel eingesetzten Tetrachlorethen und seinen Abbauprodukten festgestellt. Während des Betriebes ist es offensichtlich zu einer unsachgemäßen und/oder unzulässigen Ableitung von Flüssigkeiten oder Schlämmen, die chemische Reinigungsmittel enthielten, in die Kanalisation gekommen. Aktuell durchgeführte Untersuchungen zeigen, dass sich die Bodenbelastungen nicht nur auf das Grundstück Neue Torstraße 37 beschränken, sondern sich auch entlang des ehemaligen „Alten Wallkanals“ nach Westen erstrecken. In diesem Bereich ist allerdings noch keine Eingrenzung der Bodenbelastungen erfolgt.

Von den Bodenbelastungen gehen erhebliche Grundwasserbelastungen aus, so dass das Grundwasser in dem nach Südsüdwesten bis Südwesten gerichteten Abstrom noch erhebliche Belastungen mit Tetrachlorethen und seinen Abbauprodukten aufweist. In dem nach gegenwärtigem Kenntnisstand von den Grundwasserbelastungen betroffenen Bereich des Altstadtkerns der Stadt Lemgo erfolgt nach durchgeführten Recherchen und Ortsbegehungen aber keine Grundwassernutzung, so dass diesbezüglich keine Gesundheitsgefährdungen bestehen. In weiteren Untersuchungsschritten ist allerdings noch eine räumliche Eingrenzung der belasteten Grundwasserfahne vorzunehmen.

Nachweislich von Raumluftuntersuchungen in den Gebäuden in der unmittelbaren Nachbarschaft der ehemaligen Chemischen-Reinigung, die 2010 und 2012 durchgeführt wurden, kommt es nicht zu einem relevanten Übertritt von Tetrachlorethen und seinen Abbauprodukten aus dem Boden in die Raumluft, so dass entsprechende Gesundheitsgefahren für die Bewohner ausgeschlossen werden können.

Nach den einschlägigen Regelungen im Bodenschutz- und Wasserrecht besteht für die Bodenbelastungen auf dem Grundstück der Chemischen-Reinigung ein Sanierungsbedarf, so dass der Kreis Lippe 2012 eine Sanierungsuntersuchung in Auftrag gegeben hat. Hierzu ist in Kürze durch das beauftragte Gutachterbüro mit der Vorlage eines Sanierungskonzeptes zu rechnen. Nach aktuellem Sachstand soll hier eine Auskofferung mittels Großbohrtechnik mit anschließender Entsorgung des belasteten Bodens und eine nachgeschaltete biologische Sanierung der nach Auskofferung verbleibenden Restbelastungen durchgeführt werden.

Im Bereich der Trasse des "Alten Wallkanals" sind kurzfristig weitergehende Untersuchungen zur Eingrenzung der Belastungen vorgesehen. Für diese Untersuchungen ist eine Betretung von Privatgrundstücken, die Durchführung von Bohrungen mit einem tragbaren Gerät sowie die Entnahme und Untersuchung von Boden- und Wasserproben erforderlich. Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse ist dann über den weiteren Handlungsbedarf zu entscheiden. Dabei ist nach dem vorliegenden Kenntnisstand zu erwarten, dass zumindest für den Teilabschnitt der Kanaltrasse, der an das Grundstück Neue Torstraße 37 angrenzt, ebenfalls Sanierungsmaßnahmen erforderlich werden.

Die Anwohner und sonstige interessierte Bürger Lemgos sind am Donnerstag, den 25. April 2013 bei einer Informationsveranstaltung in der Mensa des Marianne-Weber-Gymnasiums über den aktuellen Sach- und Verfahrensstand von dem beauftragten Ingenieurbüro und Fachleiten der zuständigen Behörden informiert worden. 

Ansprechpartner

Kreis Lippe
Dr. Ute Röder
Leiterin Fachbereich 4 -
Umwelt und Energie
Fon 0 52 31 - 62 - 6 17
U.Roeder@kreis-lippe.de
AAV - Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung
Dr. Uwe Hoffmann
(stellv. Projektleitung AAV)
Werksstraße 15
45527 Hattingen
Fon 0 23 24 - 50 94-32
Fax 0 23 24 - 5094-70
u.hoffmann@aav-nrw.de

Kreis Lippe
Ulrich Oberbracht
Bodenschutz
Fon 0 52 31 - 62 - 6 70
U.Oberbracht@kreis-lippe.de
AAV - Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung
Dr. Engelbert Müller
(Projektleitung AAV)
Werksstraße 15
45527 Hattingen
Fon 0 23 24 - 50 94-19
Fax 0 23 24 - 50 94-70
e.mueller@aav-nrw.de

Kreis Lippe
Fachgebiet Immissionsschutz, Klimaschutz, Energie, Bodenschutz
Olrik Meyer
Fon 05231 - 62-6780
Fax 05231 - 63011-7044
o.meyer@kreis-lippe.de
ARCARDIS Germany GmbH
Ekkehard Schreiter
(Projektleiter ARCADIS)
Johannisstr. 60-64
50668 Köln
Fon 0221 - 89006 55
Fax 0221 - 89006 60
ekkehard.schreiter@arcadis.com

ARCADIS Germany GmbH
Klaus Winkler
(stellv. Projektleiter ARCADIS)
Europaplatz 3
64293 Darmstadt
Fon 06151 - 388 572
Fax 06151 - 388 999
klaus.winkler@arcadis.com

Straßen und Entwässerung Lemgo
Jürgen Hennigs
Betriebsleiter
Fon 0 52 61 - 2 13 - 4 20
j.hennigs@lemgo.de
Straßen und Entwässerung Lemgo
Immo Henneberg
Abteilungsleiter
Kanalbetrieb und Gewässer
Fon 0 52 61 - 2 13 - 4 61
i.henneberg@lemgo.de