Vesalius, Andreas

Abb. Vesalius, Andreas

OCIUS IUCUNDE TUTO
("Schnell, angenehm, sicher")

Geboren: 1514 
Geburtsort: Brüssel 
Gestorben: 1564

Vesalius kam als Sohn des Leibapothekers von Kaiser Karl V. zur Welt; seine Familie stammte aus Wesel. Nach der Schulzeit in Brüssel studierte Vesalius zunächst in Löwen, dann aber der besseren medizinischen Fakultät wegen in Paris. Aber auch dort kannte z.B. der Prof. Sylvius seinen 1400jährigen "Galen" besser als den menschlichen Körper, und Vesalius musste oft mit eigener Hand bei den oberflächlichen Demonstrationen einiger Organe zufassen, die von ungelernten Badern vorgeführt wurden. Wegen eines Krieges zwischen Karl V. und Frankreich kehrte er nach Löwen zurück, führte dort Sektionen wieder ein und erwarb 1537 den Grad eines Baccalaureus. Aber die erste Adresse für Mediziner, die Universität von Padua, lockte; dort erregte er großes Aufsehen, als er seine erste Sektion eigenhändig vornahm. Nach einigen Monaten wurde er mit "magna cum laude" zum Dr. med. promoviert. Bis zum Winter 1539 hatte er genügend Erfahrungen gesammelt, um die Anatomie Galens angreifen zu können. Er zeigte, dass die menschliche Anatomie nur von menschlichen Leichen gelernt werden könne, nicht anhand von Tieren, und wies Galen schließlich mehr als 200 Fehler nach. Er reorganisierte den Vorlesungssaal so, dass sich die Studenten näher am Operationstisch aufhalten und an der Schulanatomie beteiligen konnten.

Seine Demonstrationen wurden von 500 und mehr z.T. hochgelehrten Männern besucht. - Dann widmete er seine ganze Arbeitskraft seinem in klassischem Latein geschriebenen Hauptwerk "De humani corporis fabrica libri septem" (7 Bücher über den Bau des menschlichen Körpers) und illustrierte es mit bis dahin nichtgekannten exakten Zeichnungen, die möglicherweise aus der Werkstatt Tizians stammen. Mit 28 Jahren stellte er das fertige Werk dem Kaiser Karl V. in Mainz vor. Sein Ruhm wuchs, er wurde Hofarzt des Kaisers und schließlich Leibarzt am Hof des Sohns Philipp II. Vesalius beschäftigte sich in seinem Hauptwerk auch mit der Leichenschau gewaltsam Getöteter und den Anforderungen an medizinische Sachverständige, die Kaiser Karl V. in seiner "Constitutio Carolina Criminalis" (Halsgerichtsordnung) 1532 eingeführt hatte; er schuf dadurch die Basis für eine exakte Gerichtliche Medizin.

Dem Brauch des Deutschen Museums in München folgend wurde die Erstausgabe des Hauptwerks: "De humani corporis" (Basel 1543) zum Buch des Monats Oktober 1999 gewählt und als Schatz der Bibliothek ausgestellt. - In der Bibliothek der Universität Bielefeld ist das ebenfalls wertvolle Buch des Vesalius "Anatomia deudsch - ein kurzer Auszug der Beschreibung aller Glider menschliches Leybs ... " (epitoma) vorhanden; die Lippische Landesbibliothek besitzt ein von Vesalis bearbeitetes Buch seines Pariser Lehrers Johann Winter aus dem Jahr 1585. - Seiner Bedeutung entsprechend ist er in der Allgemeinen Deutschen Bibliographie (ADB) vertreten.

Die Websuche nach "Vesalius" ergibt über 20000 Resultate: ein Zeichen, wie sehr sein Einfluss auch heute fortlebt. Dabei sind fast alle Länder vertreten, allen voran die USA; dort gibt es z.B. einen Ärzteverein, der Fortbildungsveranstaltungen und Exkursionen  organisiert und sich den immer noch zugkräftigen Namen "Vesalius Trust" zugelegt hat.

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Der Beitrag wurde freundlicherweise von Herrn Professor Günter Laue verfasst. 11/02