Karl Junker - (1850-1912)

Abb. Karl Junker

Architekt und Architekturzeichner, Maler und Holzbildhauer

Am 30. August 1850 wurde Karl Junker in Lemgo als Sohn des Schmiedemeisters August Wilhelm Heinrich Junker und seiner Ehefrau Luise Bökhaus geboren. In frühester Kindheit verlor er seine Eltern, die 1854 bzw. 1857 starben. Auch der 1852 geborene Bruder starb im Jahre 1854 an dieser Krankheit. Zur wichtigsten Bezugsperson wurde der Großvater Arnold Friedrich Bökhaus, der zugleich Vormund war.

Karl Junker besuchte die Bürgerschule und das Gymnasium, das er 1864 verließ. Im Anschluss an die Schulzeit absolvierte er in Lemgo eine Tischlerlehre. In den Jahren 1869/70 arbeitete er als Geselle in Hamburg und Berlin. In den 1870er Jahren studierte er in München an der Akademie der Bildenden Künste Malerei. Im Jahre 1877/78 befand er sich auf einer Italienreise. Unklar bleibt, ob ihm diese Reise durch den "Rompreis" ermöglicht wurde. Zwei Skizzenbücher, die im Nachlass erhalten sind, zeugen von den Architektur- und Kunststudien, die er auf dieser Reise unternahm.

Zwischen 1883 und 1886 kehrte Karl Junker nach Lemgo zurück. Im Jahre 1889 stellte er den Bauantrag für das Haus in der Hamelner Straße. 1891 wurde der Rohbau fertig gestellt. Bis zu seinem Tod hat Junker in diesem Haus gelebt. Dort hat er seine künstlerischen Vorstellungen von Architektur, Dekoration und Ausstattung verwirklicht. Wie aus alten Reiseführern hervorgeht, konnten Besucher seit Mitte der 1890er Jahre das Haus gegen Zahlung eines geringen Eintrittspreises besichtigen. Abgesehen von diesen Führungen, die vermutlich nicht sehr häufig stattfanden, und dem Kontakt mit Nachbarn und vor allem den Kindern aus der Nachbarschaft zog sich Junker immer stärker zurück, lebte und arbeitete nur für seine Kunst. Am 25. Januar 1912 starb er an den Folgen einer Lungenentzündung.

Porträt Karl Junkers um 1910, Radierung von Walter Steinecke, Städtisches Museum Lemgo

Noch zu seinen Lebzeiten hatte Junker Kontakt zu zwei Galeristen geknüpft, darunter dem Hannoveraner Herbert von Garvens, der ein wichtiger Förderer der modernen Kunst war. Durch die Vermittlung der Galeristen wurden im Jahre 1913 auf einer Ausstellung der "Neuen Secession" in Berlin mehr als 50 Arbeiten von Karl Junker gezeigt. Allerdings hatte die Ausstellung nicht den von den Galeristen erhofften "Durchbruch" zur Folge. Über viele Jahrzehnte wurde das Werk von Karl Junker als Kuriosum von lokaler Bedeutung betrachtet.

Dennoch gab es immer wieder Entdeckungen. In den zwanziger Jahren wurde Junkers Werk unter dem Einfluss von Hans Prinzhorn ("Bildnerei der Geisteskranken", 1922) von der Psychiatrie entdeckt. In Lemgo war es der Gymnasiallehrer Karl Meier, zugleich Vorsitzender des Vereins Alt Lemgo, der um 1930 mit verschiedenen Publikationen auf das Junkerhaus aufmerksam gemacht hat. Im Jahre 1978 bewirkte der Kölner Kunstpsychologe Wilhelm Salber mit einer Ausstellung in Lemgo sowie im "Kölnischen Kunstverein" ein großes Medieninteresse. Danach wurde es allerdings wieder ruhig. Erst seit Mitte der 1990er Jahre ist das Interesse für das Werk des Lemgoer Künstlers kontinuierlich gewachsen. Arbeiten von Karl Junker sind im Kunstforum Wien (1997), in der Kunsthalle Bielefeld (1998/99) sowie im Museum De Stadshof in Zwolle (1998-2000) zu sehen gewesen. In dem Buch "Fantasy Worlds", herausgegeben von John Maizels und Deidi von Schaewen, wird das Junkerhaus als einziges deutsches Beispiel der "Outsider Art" porträtiert. In der Medienberichterstattung über dieses Buch (bspw. in "Geo" 11/1999 oder im Kulturmagazin "Metropolis" des Senders Arte im Juli 2000) ist stets auch das Junkerhaus vorgestellt worden.

Im Jahre 1998 fand in Lemgo ein Symposium über Leben und Werk von Karl Junker statt, das durch die STAFF STIFTUNG finanziert worden ist. Die Tagung zog nicht nur eine Bilanz des gegenwärtigen Forschungsstandes zur Biographie und zum künstlerischen Werk von Karl Junker, sondern sie war auch der Startschuss für umfangreiche Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten im Junkerhaus.

Sanierungsmaßnahmen sind im Bereich des Sockels und der Decken sowie an den Fenstern notwendig. Mit dem Einbau einer Temperierung soll das Gebäudeklima stabilisiert werden. Darüber hinaus werden stark geschädigte Möbel, Gemälde sowie die Architekturmodelle von der Zentralen Restaurierungswerkstatt des Westfälischen Museumsamtes restauriert. Auf Grund dieser Maßnahme kann das Junkerhaus zur Zeit nur mit starken Einschränkungen geöffnet werden. Durch die Unterstützung des Vereins Alt Lemgo ist es möglich, dennoch Führungen durch das Haus anzubieten. Auf Dauer ist ein Museumsbetrieb allerdings ohne die Errichtung eines Nebengebäudes nicht denkbar. Dort sind technische Räume (Kasse; Toiletten, Garderobe) ebenso unterzubringen wie die dringend benötigte Information über Leben und Werk des Künstlers sowie Ausstellungsräume zur Präsentation des künstlerischen Nachlasses.

Die 150. Wiederkehr des Geburtstages von Karl Junker bietet von daher den Anlass für einen optimistischen Blick in die Zukunft: Die Bemühungen um den Erhalt des Werkes von Karl Junker sind deutlich vorangekommen. Dringend erforderliche Instandsetzungs- und Restaurierungsmaßnahmen sind begonnen bzw. schon durchgeführt worden. Das zunehmende Interesse im In- und Ausland zeigt darüber hinaus, das die Hoffnung von Karl Junker, mit seinem Werk Verständnis und Anerkennung zu finden, in Erfüllung zu gehen scheint. Denn Karl Meier zitierte eine Äußerung, die Karl Junker zu einem Jugendfreund gemacht haben soll: "Man wird mich vielleicht nicht gleich verstehen. (...) Aber später, nach 50, vielleicht erst nach 100 Jahren, wird man mich richtig würdigen."             

Modell Junkerhaus

weitere Informationen hier

Nach oben