Christian Wilhelm von Dohm (1751 - 1820)

Abb. Christian Wilhelm von Dohm

100 Jahre nach Engelbert Kaempfer wurde der zweite große Sohn Lemgos (damals "Leipzig des Nordens") geboren: Christian Wilhelm Dohm. Die Stadt feiert im Jahr 2001 beide Geburtstage gemeinsam: Kaempfers 350. und Dohms 250. - Eine Umfrage in Lemgo würde wahrscheinlich ergeben, dass der Bekanntheitsgrad Dohms merklich geringer ist, ähnlich wie der der Dohmstraße (am Spiegelberg, hinter der Karla-Raveh-Gesamtschule) verglichen mit der Engelbert-Kaempfer-Straße (zum Bahnhof). Die Erinnerung an Dohm wird auch im Städtischen Museum "Hexenbürgermeisterhaus" kaum gepflegt. -

Das war nicht immer so. Seit dem 19. Jahrhundert widmeten viele Lexika dem Lemgoer Dohm mehr Raum ein als Engelbert Kaempfer. Jedoch verschwanden nach 1933 aus mindestens zwei verbreiteten Lexika diese Einträge über Dohm - ein späte Auswirkung seines folgenreichsten Buchs "Über die bürgerliche Verbesserung der Juden". Die nationalsozialistische Kulturpolitik hatte den Verfasser als missliebige Person eingestuft. Es ist bekannt, dass z.B. auf den F.A. Brockhaus Verlag massiver Druck bis hin zum Verbot von Lexika ausgeübt wurde, zumal sich relativ lange Zeit kein Parteigenosse in der Firmenleitung befand und der Verlag durch die frühere Herausgabe von Moses Mendelssohns (Anreger des Dohm'schen Buchs) Gesammelten Schriften ins Visier geraten war. Fast wäre Dohm zur Unperson geworden, denn diese Maßnahme wurde nach 1945 nicht wieder rückgängig gemacht, wie man sich noch heute überzeugen kann - die Stadt Lemgo trägt also ihren Teil der Wiedergutmachung bei. Dagegen gibt es in Goslar bereits seit 1954 ein Christian-von-Dohm-Gymnasium im Andenken an eine durch ihn dort erfolgreich durchgeführte Verwaltungsreform.

Abb. älterer Christian Wilhelm von Dohm

Christian Dohm wurde am 11. Dezember 1751 in Lemgo ( Heinrich Detering: damals eines der kleinen Zentren der Norddeutschen Aufklärung) als erster Sohn des Pastors an St. Marien Wolrad Dohm und seiner Ehefrau Anna Elisabeth geb. Topp geboren. Der Vater stammte aus einer Professorenfamilie in Rinteln, die Mutter war die einzige Tochter des Gräflich Lippischen Cantzley-Raths Dr. C. C. Topp, Bürgermeister und Syndizi der Stadt Lemgo. Die einflussreiche Verwandtschaft musste sich bewähren, als die Mutter des 6-jährigen Christian und ein Jahr später sein Vater starb; sie betreute ihn weiterhin vorbildlich. Er besuchte erfolgreich das Lemgoer Gymnasium und fiel schon früh durch eifriges Literaturstudium in den (damals seltenen) Privatbibliotheken seiner Verwandtschaft auf. Sein Mitschüler und Freund Johann Lorenz Benzler (später Mitarbeiter der Lippischen Intelligenzblätter) vermittelte ihm die Bekanntschaft des Dichters Gleim, den er in Halberstadt besuchte, bevor er sein Studium in Leipzig aufnahm und später in Göttingen fortsetzte. Gleim behütete Dohm lebenslang und schätzte ihn so sehr, dass er sein Porträt von K. C. Kehrer malen ließ und in seinen "Freundschaftstempel" aufnahm; dort ist es heute noch zu sehen.

Daneben arbeitete Dohm an den pädagogischen Neuerungen Basedows in Hamburg und Dessau mit. Hier wie auch in Leipzig bemerkte er, wie groß andernorts der jüdische Beitrag zu Kultur und Wirtschaft im Gegensatz zu Lemgo war, wo jahrhundertelang dem jüdischen Bevölkerungsanteil übergroße Beschränkungen auferlegt wurden. Dohm war nicht unvermögend und konnte seine schriftstellerische Neigung pflegen. Er hatte schon mehrere Beiträge veröffentlicht, bevor ihn 1773 der Lemgoer Bürgermeister, Verleger und ehemalige Rektor des Gymnasiums Christian Friedrich Helwing, Vater seines Schulfreundes Friedrich Wilhelm und zukünftiger Schwiegervater, auf das Auftauchen von in Lemgo verbliebenen Abschriften des Kaempferschen Japan-Werks aufmerksam machte. Dohm übernahm die Bearbeitung, die sich bis 1777 hinzog, weil er außerdem eine Professur in Kassel und die Herausgabe der Zeitschrift "Deutsches Museum" fortführte.

Abb. Deckblatt des Buches "Über die bürgerliche Verbesserung der Juden"

Den schon lange angestrebten Eintritt in den preußischen Staatsdienst in Berlin erreichte er 1779, und 1780 heiratete er Anna Henriette Elisabeth Helwing. Neben seiner Tätigkeit als Kriegsrat, Geheimsekretär und Archivar hielt er Privatvorlesungen für die Gebrüder Humboldt und pflegte den Umgang mit Vertretern der Aufklärung, besonders mit dem Philosophen Moses Mendelssohn. Hier erhielt er die Anregung für sein folgenreichstes Buch "Über die bürgerliche Verbesserung der Juden", das 1781 (kurz nach Lessings Tod) erschien, man hat in im das staatsrechtliche Gegenstück zu "Nathan der Weise" gesehen. Dohm forderte die Gleichberechtigung der Juden auf allen Gebieten.

Die Resonanz war überraschend groß. Seine Reformvorschläge wurden in Frankreich 1791, in Preußen 1812 Grundlage der Emanzipationsgesetze; Dohm kannte den in der Französischen Nationalversammlung einflussreichen Grafen von Mirabeau, den er 1786/87 durch Berlin führte. Bereits 1786 hatte Friedrich Wilhelm II. anlässlich seines Regierungsantritts Dohm in den Adelsstand erhoben. 1796 wurde Dohm preußischer Gesandter am Kurfürstlichen Hof zu Köln. Während der Kriegsjahre erwarb er sich in vielen Sondermissionen große Verdienste, u.a. gliederte er ab 1803 die bis dahin selbstständige Freie Reichsstadt Goslar in den preußischen Staatsverband ein.

Nach dem Frieden von Tilsit 1807 holte Jerome Bonaparte den Staatsrat Dohm in seinen neugegründeten Modellstaat Westfalen. Als Deputierter in Paris traf er dort mehrmals die in den Rheinbund eingetretene Öffnet externen Link in neuem FensterFürstin Pauline auf gemeinsamen Veranstaltungen. 

Abb. Christian Wilhelm von Dohm
250. Geburtstag von Christian Wilhelm von Dohm "Ein berühmter und von vielen verehrter Mann"

1808-1810 wurde er Gesandter des Königreichs Westfalen in Dresden. Im Herbst 1810 bat Dohm krankheitshalber um die Entlassung aus seinem Gesandtschaftsposten, die ihm bewilligt wurde.

Während seiner letzten 10 Lebensjahre auf seinem Gut Pustleben bei Göttingen entstanden die "Denkwürdigkeiten meiner Zeit 1778 - 1806 (5 Bde. Lemgo 1814-1819). Obwohl unvollständig geblieben, gelten sie noch heute als eine der umfassendsten historischen Darstellungen der Epoche. Die Rückbesinnung führte u.a. dazu, dass er sich dankbar an die Prägungen erinnerte, die er auf dem Lemgoer Gymnasium empfing: 1811 stiftete er dem Gymnasium 200 Goldtaler. Dort erfolgten auch mehrere Besuche Goethes, der Dohm sehr schätzte. Reger Briefwechsel und gegenseitige Besuche beweisen es seit 1792. Dort starb Dohm 1820; er hinterließ insgesamt ca. 20 Bücher, Denkschriften, Übersetzungen und Abhandlungen sowie eben so viele Zeitschriftenaufsätze.

Der Beitrag wurde freundlicherweise von Herrn Professor Günter Laue verfasst. 12/00                                                                                               

Ergänzende Literatur:

Detering, Heinrich (Bearb.): Christian Wilhelm von Dohm - Ausgewählte Schriften, Lemgo 1988. Vorhanden in Stadtbücherei unter DOK DOHM

Laue, Günter: Christian Wilhelm von Dohm, geprägt durch seine Heimatstadt Lemgo? 

In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, Jg 10(2001), 

Detmold: Selbstverlag des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe e.V., 2001

Ausgewählte Schriften von Christian Wilhelm von Dohm (Lemgoer Ausgabe) 

bearbeitet von Heinrich Detering Lemgo 1988

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